Ein Tag mit einem Bauingenieur
7.30 UhrAls erste Amtshandlung des Tages fahre ich den PC hoch und rufe meine Mails ab. Ein Blick auf meinen Kalender erinnert mich an einen Aufmaßtermin am Nachmittag. Dafür organisiere ich schon mal ein Firmenauto und verabrede mich mit dem betreffenden Mitarbeiter. Dann geht's auch schon los. Es gilt mal wieder, den Stapel auf meinem Schreibtisch auf ein übersichtliches Maß zu reduzieren. Ich muss eine statische Berechnung für einen Wohnhausneubau, die ich am Vortag begonnen habe, fertigstellen. Der kreative Teil das Ausarbeiten des Tragsystems - ist bereits erledigt. Allerdings sind bei der Vorplanung durch den Architekten die statischen Belange leider etwas zu kurz gekommen. Also liegt es an mir, das Ganze auszubügeln. Zum Glück laufen viele Rechenschritte hierbei computergestützt ab. Zwischendurch unternehme ich einen kleinen Ausflug in die Produktionshalle direkt neben unserem Verwaltungsgebäude, um ein paar technische Fragen mit unserem Zimmermeister zu klären.
9.30 Uhr
Zeit für ein kraftspendendes Frühstück und etwas Smalltalk mit den Kollegen. Dann ein wichtiger Anruf: Der Chef bittet mich in sein Büro. Gemeinsam legen wir die Reihenfolge der nächsten Bauvorhaben fest, bestimmen die Ausführungstermine und versuchen, eine klare Linie in das Auftragsdickicht zu bekommen. Anschließend kümmere ich mich um das nächste zu richtende Bauvorhaben. Ein aus einzelnen Bauelementen bestehendes Haus muss termingerecht an Ort und Stelle transportiert und dort mit Hilfe des Autokrans aufgestellt werden. Hier ist mein Organisationstalent gefragt, um die erforderlichen Schritte einzuleiten. Den Rest des Morgens verbringe ich mit den letzten Positionen der Neubaustatik, immer mal wieder unterbrochen durch Anrufe von Kunden oder Lieferranten.
12.30 Uhr
Gegen Mittag erwartet mich eine wohlverdiente Pause. Mittwochs ist bei uns im Büro immer kollektiver Pizzatag. Lecker, aber danach ist mir meist eher nach Mittagsschlaf als nach Mittagsarbeit zu Mute.
14.00 Uhr
Am Nachmittag stelle ich noch einige bauphysikalische Berechnungen zu einem Niedrigst-energiehaus auf, da sich ein potenzieller Kunde dafür interessiert. Kennzeichnend für solch ein Gebäude, das wir auch „Drei-Liter-Haus" nennen, ist, dass es extrem wenig Heizenergie benötigt, nämlich nur drei Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Das resultiert aus der überdurchschnittlichen Wärmedämmung, der Nutzung von Sonnenenergie sowie einer intelligenten Haustechnik. Die modernen Niedrigenergiehäuser verbrauchen dagegen zum Heizen immer noch bis zu sieben Liter. Den Rest des Arbeitstages verbringe ich unter freiem Himmel: Ein bestehendes Gebäude soll einen Anbau in Holzrahmenbauweise erhalten. Um eine genaue Konstruktion im Rechner erstellen zu können, nehme ich alle Maße exakt auf und trage sie dann in ein spezielles Aufmaßprotokoll ein.
17.30 Uhr
Mit dem Aufmaß ist der Grundstein für den morgigen Arbeitstag gelegt: Konstruktion des Wohnhausanbaus am PC und Anfertigung der Ausführungspläne.
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